1.1. Thema
und Epoche oder:
Wie es dazu kam...
1968 - 1980
Wie damals üblich, bekam auch ich recht früh eine elektrische
Eisenbahn. Mit etwa 3 1/2 Jahren stand unter dem Weihnachtsbaum eine
kleine H0-Anlage. Wie in der DDR üblich, war es eine
Gleichstromanlage, auf der die Einfach-80 mit zwei O-Wagen (Schweizer
Bauart), einem G-Wagen und zwei Donnerbüchsen unterwegs war. Das
Oval wurde später durch eine Bergstrecke ergänzt und daneben
drehte später auch eine englische Lok von Tri-Ang ihre Runden, die
mein Vater um 1969 von seinen Studenten als Abschiedsgeschenk bekam.
Daneben sammelten sich noch Dutzende andere Darstellungen von
Eisenbahnen in meiner Spielzeugkiste.
1972 ermöglichte ein Umzug die nächste Anlage, sie fand auf
zwei Türblättern Platz und wurde bei Betriebsruhe in einem
nichtbenutzten Durchgang geklappt. In den Siebzigern waren
epochegerechte Anlagen
selten,
man fuhr mit dem, was es auf dem Markt gab und was wohlwollende
Verwandten
aus dem Westen mitbrachten. So gab es auch auf der Anlage, ein buntes
Sammelsurium
der verschiedensten Fahrzeuge aus aller Herren Länder und einen
Querschnitt durch das DDR-Modellprogramm dieser Zeit.
Zwar planten wir, die Anlage komplett auf Pilzgleis umzustellen,
setzten diese Projekt aber nicht mehr um. Dafür verhunzte ich die
Anlage mit noch mehr Gleisen und baute erste Blockstrecken ein.
Für einen epochenreinen Betrieb konnte ich mich nicht
erwärmen, so
fuhr meine Jugendweihe-S 3/6 von Liliput neben der 01.5, der
Engländer neben der BN 150.
Es gab natürlich auch vorbildliche Ausnahmen, so die in den
Sechzigern
enstandene
epochenreine KPEV-Anlage von H. Kohlberger oder die Epoche-3-Anlage von
Joachim Schnitzer, aber dafür interessierten sich die wenigsten.
1980 - 1990
Etwa um 1982, ich begann mit einer Lehre bei der Deutschen Reichsbahn,
plante ich meine erste eigene Anlage. Anregungen suchend,
blätterte ich natürlich in
sämtlichen Ausgaben des "Modelleisenbahners" und stellte fest,
daß
das hauptsächliche Thema "zweigleisige Hauptbahn mit abzweigender
Nebenbahn" war. Meistens waren diese Strecken dann im sächsischen
oder thüringischen Mittelgebirge
angesiedelt. Der "obere Bahnhof" war von "unteren Bahnhof" oft nach
drei Wagenlängen Fußweg zu erreichen, wenn der Modellmensch
nur den Hang hochklettern würde. Aber auch der geneigte Leser aus
dem Westen wird diese (Märklin- und Fleischmann-) Anlagen kennen,
mit dem damals
populären Thema "Von der Nordsee bis an die Alpen auf 2 m²".
Im Grunde so, wie heute noch die Noch-Fertiggelände aussehen.
Meine Anlage sollte sich darum im Norden ansiedeln und ein
preußisches
Thema haben. Damals beeindruckte mich der Berliner Ostbahnhof mit
seiner großen doppelschiffigen Halle. Auf 4x4 Metern sollte eine
Nachbildung entstehen und am anderen Ende des Rundkurses ein
Abstellbahnhof
(Rummelsburg), in der Mitte des Ringes wären dann Bedienpult und
Trafos aufgestellt. Ich begann schon mit einem Ecksegment, aber die
drei M: Mädchen, Musik und Motorrad beanspruchtern viel Zeit.
Trotzdem fand ich, sehr zum Mißfallen der jeweiligen Freundin,
immer noch die Zeit, Fahrzeuge zu frisieren. Erleichtert wurde dies
durch
die Leerlaufzeiten, die ein Entstörungsdienst mit
Vor-Ort-Bereitschaft
bei der Deutschen Reichsbahn mit sich brachte.
In dieser Zeit, bis
1988,
bekam ich von einem Freund meines Vater eine große Anzahl
gebrauchter
Loks, hauptsächlich von Märklin. Die meisten baute ich dann
auf
Zweileiter-Gleichstrom um, so waren die Loks trotz der bekannten
Mängel
und Nachteile eine Bereicherung meines Fahrzeugparks. Inzwischen hatte
ich auch eine gewisse Vorliebe für die Epoche II entwickelt und
begann, viele der Märklinloks in diese Richtungumzubauen.
Mit 23 wollte ich dann mit meiner damaligen Freundin (Der Vater war
Chef einer Maurer-PGH, darauf mußte man bei solchen Projekten
achten. ;-) ) ein ziemlich verkommenes Haus erwerben, welches
als herausragendstes Attribut einen Dachboden von 10x10 Metern hatte.
Für
diesen Dachboden plante ich eine Großanlage. Durch die Vielzahl
"Westloks"
hatte ich die Möglichkeit, ohne ausufernde Umbauten die
dreißiger
Jahre darzustellen und die etwa 40 Elloks, davon etwa 12 Altbauten
bestärkten
mich in dem Wunsch, auch eine Fahrleitung aufzubauen. Ein Muß
für den aktiven Fahrleitungsmonteur.
Auf der Suche nach einem geeigneten Thema und vor allem Ort gab es
natürlich nur wenige Möglichkeiten. Von der Idee des
Ostbahnhofes,
jetzt Schlesischer Bahnhof wollte ich nicht abrücken, dazu hatte
ich
zu viel Material gesammelt und die Hallen schon durchgeplant. So
entwarf
ich eine Modelleisenbahn mit dem Thema "von Berlin bis Breslau."
Diese megalomanischen Pläne erledigten sich glücklicherweise,
denn sonst hätte ich mich Anfang der Neunziger mit
Rückübertragungsforderungen
diverser Alteigentümer herumschlagen müssen.
1990 - 2000
Nachdem ich meine "Ehrendienst" bei der NVA nur noch verkürzt
ableisten durfte, erhielt ich durch einen dritten Umzug 1990 die
Möglichkeit,
eine Anlage auf, nun bescheidenen 3x8 Metern zu errichten. Die
Überlegungen, meist während der eintönigen Dienste,
begannen von
neuem.
Den Schlesischen Bahnhof nur annähernd vorbildgerecht darzustellen
war auf 8 Metern nicht möglich, das fiel mir zu dieser Zeit
bereits auf. Völlig auf freie Strecken zu
verzichten, hätte eine solche Darstellung bedeutet..
Außerdem wollte ich unbedingt eine Fahrleitung errichten und in
der
Epoche II bleiben. Damit wurde die Fahrleitung zum obersten
Entscheidungkriterium.
Bayern schied von vornherein aus, zum einen hatte ich keine positiv
bewertbare
Beziehung zu diesem Land, zum anderen gab es schon zahlreiche Anlagen
mit
dieser Thematik. Um nicht zu sagen: die meisten.
Das Mitteldeutsche Netz verwarf ich, weil ich schon eine bergige
Landschaft
haben wollte, um die Vorteile der elektrischen Zugförderung voll
auszunutzen.
Auch schien mir eine zumindest hügelige Landschaft besser
geeignet,
die Platzprobleme auf einer Anlage zu kaschieren. So blieb Schlesien.
Es
erfüllte die Kriterien: Strecke in Preußen, elektrifiziert,
bergige Landschaft. Somit entwickelte ich den Plan einer H0-Anlage der Epoche
II.
Sie hatte eine zweigleisigen, elektrifizierten Hauptstrecke in
Ringform,
davon zweigt eine ebenfalls zweigleise "Strecke" zu einem Kopfbahnhof
ab.
Im Ring lagen zwei große Bahnhöfe, (davon ist ein Bahnhof
als
Schattenbahnhof ausgebildet), und ein kleinerer Durchgangsbahnhof.
Während der Planungs- und Bauphase lagen meine Prioritäten
beim Reiseverkehr, dem entsprechend waren die Gleisanlagen gestaltet
und
der Fahrzeugbestand (relativ unkritisch) beschafft worden.
Nachdem die Anlage weitgehend fertiggestellt war, befaßte ich
mich
wieder mehr mit Fahrzeugen, deren Umbau und dem Vorbild. Neue
Literatur kam dazu, erste Kleinserienmodelle und ein höherer
Anspruch bildete sich aus. Das erste richtige Modell war die E 95 von
Günther, gefolgt vom ET 89 "Rübezahl", der damals schon, wohl
eher zufällig, von mir gleich im Zustand von 1928 gebaut wurde.
Trotzdem beschaffte ich auch noch sonstige Elloks, wie die E 44, die E
05, E 17, im Grunde alles, was Bügel hatte.
Durch das
Internet und verschiedene Newsgroups sowie Maillisten wurde es
plötzlich
sehr viel einfacher, Informationen zu beschaffen. 1999 ging meine
Homepage ins Netz, die wiederum Kontakt zu Gleichgesinnten herstellte
und das löste neue Überlegungen aus.
2000 - 2010
Nachdem ich mich umfassen
informiert hatte, genügte mir mein
Fahrzeugbestand nicht mehr. Die Digitaltechnik war auch um Längen
besser geworden, so daß die "lauftechnischen Krücken" keine
rechte Freude mehr bereiteten.
Als Erweckungserlebnis sehe ich heute den Anblick der EP 248 im
Modellbahngeschäft. Sprunghaft in die Lok verliebt, wurde sie zum
Auslöser einer großen Bestandsbereinigung. Ohne Zögern
trennte ich mich von den bayerischen und mitteldeutschen Loks und wegen
der preußischen Beschilderung entwickelte sich die Idee, gleich
gründlich zu sein und ein konkretes Jahr für die Anlage zu
wählen.
Ab 2001 wurde der Fahrzeugbestand ohne Zögern bereinigt, ich
beschränkte
mich nun auf Fahrzeuge, die im Jahre 1928 in Schlesien
eingesetzt
waren, alle anderen wurden in der Bucht versenkt. Alle Märklinloks
mit dem großen Rundmotor
wurden ausgemustert, der Wagenpark wurde
von
den modernen Fahrzeugen befreit und die gewonnenen "Investitionsmittel"
gingen in die Anschaffung besserer Modelle. Dabei machte auch ich die
Erfahrung, daß es nicht notwendig ist, 100 Loks zu besitzen;
statt 10 Gurken eine richtig tolle Lok zu haben macht viel mehr
Freude. Die Beschränkung spart mächtig Nerven und bewahrt vor
Kauforgien der Art "Alle Neuerscheinungen 2005 muß ich haben".
In Folge der Konkretisierungen und Anpassungsarbeiten baute ich auch
die Fahrleitung der freien Strecken um, Anfang 2003 wurde der Bahnhof
Greifensteine
umgebaut und zum Bahnhof Wittgendorf.
Insgesamt beginnt jetzt die Phase der Verbesserungen und
"Perfektionierungen". Schöne Fahrzeuge wirken in einer
ordentlichen Landschaft viel besser, Feine Dachstromabnehmer schreien
geradezu nach eine vorbildgerechteren Fahrleitung, filigrane Fahrwerke
sehen auf niedrigerem Schienenprofil einfach besser aus.
2004 begann der großflächige Umbau der
Anlage und Gleisanlage,
Pilz Elite ersetzte das alte Pilzgleis, Breslau als Bahnhof wurde
abgerissen und durch Fellhammer ersetzt, da auch hier der reine
Gleisumbau die Mängel meiner damaligen
Planungen nicht beseitigen konnte. Die Bögen und Steigungen
wurden von Beginn an großzügiger geplant. Als Mindestradius
gilt künftig r=800 mm,
soweit das durchzuhalten ist. Engere Bögen gibt es nur in
Nebengleisen, leider mußte ich an zwei Stellen die Rangier- und
Ladegleise mit Radien von 600 bis 650 mm
anlegen. Im unterirdischen Teil ist der kleinste
Radius 866 mm, das entspricht dem Radius der Weiche EW1 von Pilz Elite.
Die Weichen sind standardmäßig die EW1, bei ausreichendem
Platz kommt auch die EW3 zur Anwendung, in nur einem Fall hat eine
Schutzweichen (EW2) im nicht befahrenen Gleis den 486er Radius.
Eine schematische Übersichtsdarstellung gibt das nächste Bild:
Der Umbau der Gleisanlage mit
den
größeren Radien ermöglichte wiederum die Verwendung
kleinerer Spurkränze und den Abschied von den klobigen Kupplungen,
man sieht, ein Projekt zieht Dutzende weitere nach sich....
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