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Die KED Breslau plante 1914 für die zu
elektrifizierende Hauptbahn Görlitz -
Dittersbach - Breslau und Dittersbach - Glatz
sowie die geplante Strecke Breslau - Liegnitz
- Sagan eine geeignete Konstruktion für den
schweren Reisezugdienst. Dabei sollte die neue
Lokomotive sämtliche Dampflokomotiven in der
Leistung übertreffen und auch auf Jahre dem
erwarteten Verkehrzuwachs bewältigen können.
Gefordert war das Befördern 500 t schwerer
Reisezüge in der Ebene mit 90 km/h,
400-t-Schnell- bzw. 360-t-Personenzüge auf
Steigungen von 20 Promille in den damals
üblichen Fahrzeiten der Dampfloks ohne
Vorspann. S 10 und P 8 waren zum
Entwicklungszeitpunkt maßgeblich. Da auf der
Hauptstrecke Radien bis 180 m zu durchfahren
waren, war neben einer hohen Dauerleitung auch
ein guter Bogenlauf verlangt.
Die elektrischen Versuchslokomotiven hatten
alle nicht befriedigt. Neben der
Fehlkonstruktion EG 501/EP 201 waren im
Gebirge auch die ES 1 bis ES 3 nicht
ausreichend, die EP 202ff (E 30) war nur für
den leichten Personenzugdienst vorgesehen. Die
Konstrukteure bewegten sich auf Neuland, es
fehlten einschlägige Erfahrungen mit solch
hohen Leistungen. Auch gab es Zweifel zum
Bogenlauf einer Einrahmenlokomotive.
Daher wurden durch die KED Breslau zunächst
sieben einmotorige Einrahmenlokomotiven mit
der Achsfolge 1’D1’ und sieben zweiteilige
Lokomotiven mit der Achsfolge 1'B+B1'
bestellt. Als die Ergebnisse der EG 501
vorlagen und klar wurde, daß die
Schüttelschwingungen im Triebwerk nicht zu
beherrschen sind, wurde die Bestellung
geändert. Nun sollte nur die angearbeitete EP
235 fertig gestellt werden und die anderen
sechs bestellten Einrahmenloks sollten als
Doppellok ausgeführt werden. Noch während der
Konstruktion mußte wegen des
Hauptransformators eine weitere Achse hinzu
gefügt werden. Damit ergab sich die Achsfolge
2’D1’.
Kriegsbedingt wurden die Doppellokomotiven -
obwohl 1913 bestellt - nicht fertig, bis dahin
konnte die 1917 gelieferte EP 235 ihre
Leistung zeigen und ihren Bogenlauffähigkeiten
beweisen. Es folgte wegen der guten Ergebnisse
eine erneute Änderung der Bestellung, jetzt
sollten die beiden angearbeiteten Doppelloks
(1921 geliefert) fertig gestellt werden und
die Einrahmenlok (spätere E 50.3) wurde in elf
Exemplaren (und sechs ähnlicher Bauart,
spätere E 50.4) nachbestellt.
Die Lokomotivindustrie hatte in der
Konstruktion Fortschritte gemacht und bot der
Direktion Breslau eine modernisierte und
überarbeitete Konstruktion als 1'D1' an, aber
wegen des dringenden Bedarfs an schweren
Schnell- und Personenzugloks wurde das Angebot
verworfen und die schnellstmögliche Lieferung
der Serien verlangt.
Anfangs war die EP 235 fast ausschließlich im
Schnellzugdienst eingesetzt, da zu dieser Zeit
die Höchstgeschwindigkeit bei 85 km/h
festgelegt war, konnte sie auf dem bereits
elektrifizierten Abschnitt die Anforderungen
erfüllen. Ab 1924 folgten die Serienmaschinen,
weshalb sie nach fünf Einsatzjahren den
hochwertigen Verkehr abgeben konnte. Mit der
Einführung der mehrlösigen Knorrbremse wurden
die Bremsvorschriften verschärft. Die EP 235
hat ungebremste Laufachsen, weshalb sie die
Anforderungen im Gebirgsdienst nicht mehr
erfüllen konnte. 1926 wurde die Umsetzung in
die flache Direktion Magdeburg beschlossen,
1925 sollte sie die Nummer E 50 35 bekommen,
welche aber höchstens noch mit Farbe die
angeschrieben wurde.
Ob die Lok noch in Mitteldeutschland
eingesetzt wurde ist unklar. Teil
widersprüchliche Informationen lassen derzeit
keine sichere Aussage zu. Teile der Lok sind
im DTM Berlin erhalten, geplant war den
weltgrößten Bahnmotor auszustellen.
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