Fahrwerk und
Fahrverhalten.
Wenn die Lok steht, sieht das Fahrwerk gut aus, fein
geätzte Nachbildungen
des Rahmens, der Federpakete und der Bremsanlage erfreuen das Auge. Die
Bremsen liegen in der Radebene und schön dicht an, die
geschwärzten
Laufflächen zusammen mit dem dunklen Braun geben dem Fahrwerk ein
vorbildgetreues Aussehen. Auf der isolierten Seite der Lok stechen aber
die Stromabnehmer ins Auge. Goldglänzend und mit Lötstellen
an
der Halterung befestigt, die meine (zum Kaufzeitpunkt)
sechsjährige
Tochter besser hinbekommt. Das ist umso irritierender, da der Rest der
Lok mit einer Ausnahme
ganz exakte Lötstellen hat.
Nimmt man das Modell hoch, fällt sofort auf, wie leicht es ist.
Kein Vergleich mit den „Schwergewichten" von Günther wie etwa der
E 95. Zugkraft ist da auf normalen Heimanlagen wohl nicht zu
erwarten.
Ein Blick von unten auf das Fahrwerk, nun ja. Das Lottergestell ist
sauber abgewinkelt, das gleiche gilt für die Bisselachse. Aber wer
um Himmelswillen hat die Kupplungshaken an die Laufgestelle
angelötet???
Abgesehen davon, daß ich hoffte, die Kupplungsbefestigung an Vor-
und Nachläufern hätten wir in den Siebzigern überwunden,
ist das keine Lötstelle, da wurde „gepappt". Wem diese Arbeit
anzulasten
ist, vermag ich nicht zu sagen, (Dem Händler?) da für
diese
dilettantische Arbeit die Farbe abgekratzt wurde und hinterher der
Haken
mit schwarzer Farbe ohne Grundierung gestrichen wurde.
Nun bringt eine solche Zughakenbefestigung gerade beim Schiebebetrieb
keine Freude, außerdem ist der Abstand zwischen Schraubenkupplung
und Haken sehr gering, es besteht die Gefahr der Verhakung. Daß
die
Schraubenkupplung im Gegensatz zu den Güntherkupplungen nicht
funktionsfähig
ist, spielt für mich keine Rolle, da kommt der Zughaken
rein.
Erste Fahrversuche bringen nicht das Aha- Erlebnis,
daß ich von
meinem ersten Faulhabermotor erwartet habe. Die Lok läuft stockend
und torkelt etwas. Das stockende Fahren ist nur eine Frage der
Stromabnahme
doch der unruhige Lauf hat viel schwerwiegendere Ursachen.
Legt man die Lok aufs Dach und läßt sie so laufen, folgt
ein Schock: Keines der Treibachsen läuft optisch rund.
Sämtliche
Achslager haben Spiel, so daß die Achsen je nach Stellung der
Kuppelstangen
"eiern". Logisch, daß dies Unruhe in das Fahrwerk bringt, die
geteilten
Kuppelstangen sind in diesem Zusammenhang Gift. Ein Achslager ist lose,
was das überflüssige Spiel im Fahrwerk
vergrößert.
Der Rahmen ist aus gewinkeltem Messingblech gefertigt, die Details sind
geätzt. Die Achslager sind Messinggußteile, die eingeklipst werden.
Ungenauigkeiten beim Ätzen und bei den Gußteilen sorgen so dafür, daß
bei jedem Modell andere Ungenauigkeiten entstehen.
Nach dem Decodereinbau kann die Lok nun endlich auf meiner Anlage
fahren. Die Gleise sind in normalem Zustand, leicht verschmutzt,
für
andere Fahrzeuge kein Problem. Die E 50.4 dagegen ruckelt und stockt,
was
auf schlechte Stromabnahme schließen läßt, etwas
Nacharbeit
ist nötig. Im ersten Bogen mit 550-er Radius schlagen die schon
bemängelten
Kupplungshaken an die Schienenräumer und lösen einen
Kurzschluß
aus. Demontage und weiter geht die Probefahrt, mit dem Drehgestell
voraus.
Knapp zwei Meter später bleibt die Lok auf einer Weiche wieder
stehen,
diesmal ist das viel zu geringe Spurinnenmaß der Räder, 14,0
statt 14,3 mm die Ursache.
Leider gibt es keine Betriebsanleitung oder im Internet
entsprechende
Informationen, für welchen Mindestradius die Maschine geeignet
ist. Der gewöhnlichen Zielgruppe solcher teuren Modelle, den
Vitrinensammlern ist das sicher auch egal, die Praxis zeigt, daß ab
r=700 mm das Modell ohne Veränderungen läuft, mit Anpassungsarbeiten
runter bis zu 400er Radien.
Die erste Lastfahrt kam nicht sehr weit, da die EP 248
nur mit Mühe
einen normalen 8- Wagen- Schnellzug in Bewegung setzen kann, den Roco
Clean
kriegt sie überhaupt nicht von der Stelle.
Während diese Probleme alle zu beseitigen sind und
möglicherweise
für Kleinserienmodelle nicht ungewöhnlich, ist der
Geradeauslauf
erbärmlich. Durch die spielhaltigen Achslager schaukelt und
trampelt
die Lok derartig, daß für mich der Garantiefall
eintrat.
Glücklicherweise bot der Hersteller eine kostenlose
Reparatur an,
so daß ich das Fahrwerk einschickte. Bereits nach 4 Tagen war das
Paket wieder da, schnell ist die Firma auf jeden Fall.
Bei dieser Reparatur wurde das Spurinnenmaß korrigiert
und ein
Kurbelzapfen fest gedrückt.
Außerdem wurden die oben bemängelten Radstromabnehmer
hellrot
gestrichen, ohne das ich das erwähnt hatte.
Bevor ich nun das Fahrverhalten überprüfte, der Hersteller
fand es übrigens in Ordnung, klebte ich das lose Radlager ein, da
dies bei der Reparatur nicht bemerkt wurde.
Mit dem Drehgestell voraus ist das Fahrverhalten nun erträglich,
rückwärts zuckt die Lok immer noch, als wenn ein Widerstand
im
Fahrwerk zu überwinden ist. Auch der Einbau von drei
zusätzlichen
Ballastgewichten änderte nichts an der Laufkultur, dazu waren größere
Eingriffe nötig.
Weitere
Veränderungen
und Verbesserung des Laufwerks.
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