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Äußeres Aussehen
Auf den ersten Blick ist das Vorbild gut wiedergegeben,
die charakteristischen
Eigenheiten sind vorhanden.
Die Farbgebung allerdings macht mich nicht wirklich glücklich. Das
graue Dach entspricht dem preußischen Farbschema, der
Lokkasten
dagegen wurde in RAL 6020, dem DB-Grün gespritzt, welches viel zu
hell ist.
Die Beschriftung besteht nur aus Schiebebildern, was vorbildwidrig
ist, wie ein Vergleich mit dem Vorbildfoto zeigt.
Positiv fällt auf, daß die Lüfter und Klappen sehr
sauber geätzt sind, der gute Eindruck wird gemindert durch die
Tatsache,
daß die Tür des Packabteils schief hängt und obendrein
das Gehäuse an der Stelle etwas geschrumpft aussieht. Die
Dachstromabnehmer
sind Massenware, wahrscheinlich ältere Teile von Sommerfeldt, sie
werde ich wohl tauschen.
Mißt man das Modell nach stellt sich heraus, daß es zu
lang ist. Ebenfalls stimmt der Achsstand nicht und die Räder sind
zu klein.
Ursache dafür ist das verwendete
Fahrwerk.
Dieses ist, da die Lok ursprünglich für
Wechselstromanlagen
gebaut wurde, ein Teil einer Märklinlokomotive.
Der Hersteller benutzte das Triebwerk der E 94 von Märklin und
das bedingt sie Abweichungen.
So beträgt beim Vorbild der Achsstand:
| E 92.7 |
1800 |
2270 |
| E 94 |
2150 |
2450 |
Demzufolge hat die E 92 4070 mm, die E 94 ganze 4600 mm,
als 530 mm
zu viel. Auf H0 umgerechnet, ist der Achsstand einer Lokhälfte um
6
mm zu groß. Vorausgesetzt, Märklin hat exakt
maßstäblich
gebaut.
Der Raddurchmesser der E 92.7 ist für deutsche Verhältnisse
einmalig, 1300 mm. Das sind in 1:87 genau 14,95 mm. Die Räder der
E 94 sind nur 1240 mm im Durchmesser, im Modell aber nicht 14,3,
sondern
nur 14 mm. Ursache sind die größeren Spurkränze der
Märklinloks.
Ein insgesamt 12 mm zu großer Achsstand, das ist schon eine
gewaltige
Abweichung, nun muß der Käufer wissen, ob ihm ein
brauchbares
Fahrgestell wichtiger ist als ein Kleinserienfahrwerk, dessen
Fahreigenschaften
mitunter miserabel sind.
Fahrverhalten
Der Antrieb erfolgt, wie bei solchen Märklinloks,
nur über
eine Lokhälfte. Die andere Hälfte läuft leer mit und
erzeugt
ein blechernes Scheppern bei Unebenheiten.
Ein echtes Urteil über das Fahrverhalten kann ich nicht ehrlichen
Gewissens abgeben, da die Lok vor dem Test auf Zweileiter-Gleichstrom
umgebaut
wurde. Auch ersetzte ich den dreipoligen Anker durch einen
Fünfpoler
und ersetzte die Erregerspule durch einen Konradmagneten. Weiter bekam
die
Lokomotive einen Digitaldecoder, genauer den ESU-Lokpiloten DCC.
Die CV 5 (Höchstgeschwindigkeit) auf 20 gesetzt, die Lastregelung
nach den Vorgaben von ESU eingestellt, stimmt die
Höchstgeschwindigkeit
und auch die Langsamfahreigenschaften sind akzeptabel. Allerdings ist
die
Beschleunigung nicht optimal, was sich hoffentlich mit etwas
"Feintuning"
am Decoder beseitigen läßt.
Die Geräuschentwicklung des Motors ist lästig,
auch mit ausreichender
Schmierung beleidigt das Heulen die Ohren des faulhaberverwöhnten
Modellbahners. Man kann sich allerdings damit trösten, daß
der
Tatzlagerantrieb des Vorbildes ähnlich geklungen haben mag.
Zugkraft und Leistung
Die Lok ist relativ leicht und ob sie die Leistung des
Vorbildes auf
einer 20 Promille-Steigung (500 Tonnen oder knapp 20 beladene O-Wagen)
bringt, muß ich noch ermitteln.
Durch die verwendeten vier Haftreifen und den konstruktiven Vorteil,
den die E 92.7 gegenüber der Märklin E 94 hat (keinen
Brückenrahmen,
der sich zum Teil auf dem nichtangetriebenen Gestell abstützt) und
der Möglichkeit, weitere Bleichgewichte nachzurüsten, hat das
Lokmodell auf jeden Fall noch Potential.
Fazit
Insgesamt habe ich bei der Bewertung des Modells
ambivalente Gefühle.
Während mich die Existenz einer billigen Alternative (eBay [2003]
310
Euro)
zum Metropolitan-Modell der E 92.7 (Handel zuletzt 1990 DM, eBay
mindestens
700 Euro) oder auch der Neuauflage von Westmodel (Bausatz ab 424.-)
erfreut, so unglücklich macht mich der
Märklinantrieb
wie auch die Lackierung.
Ersteres ist für rund 70 Euro durch einen Umbausatz von
SB-Modellbau
zu beseitigen, auch werde ich die Spurkränze noch auf RP25
abdrehen, die Lackierung habe ich auf jeden Fall geändert.
Bis dahin werde ich mich eines abschließenden Urteils enthalten. |