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Fahrwerk und Fahrverhalten
Der Antrieb erfolgt, ebenfalls typisch für
Märklin, nur auf
ein Triebgestell, was angesichts der Metallbauweise in der Ebene keine
gravierenden Auswirkungen auf die Zugkraft hat. Ein Blick "unter die
Haube"
der Originallok birgt keine Überraschung, den antiquierte
Dreipoler mit seinem ruppigen Fahrverhalten findet man. Märklin
hat es immer noch nicht geschafft,
sich von dieser Altlast zu befreien und
einen
"richtigen" Motor mit Schwungmasse einzubauen.
Diese Aufgabe blieb SB-Modellbau, die bei meiner Lok einen
Glockenankermotor implantierten. Zwar gehört der alte
c82- Decoder zur Ausstattung, Märklins einziger Beitrag zu DDC-
Decodern,
aber trotzdem ist mit der eingestellten Anfahr- und
Bremsverzögerung
das Fahrverhalten befriedigend und nicht vergleichbar mit älteren
Hamomodellen. Einzig das Überwinden des Losbrechmoments durch
schlechte
Decodereinstellung ist deutlich wahrnehmbar, aber durch Verändern
der Anfahrspannung zu beseitigen. Ein Ersatz des Decoders scheint mir
langfristig
trotzdem empfehlenswert.
Sonst läuft die Lok auch auf schwierigen Gleisfiguren
entgleisungssicher,
die Stromabnahme muß allerdings verbessert werden, diese ist im
Lieferzustand
praktisch nicht vorhanden. Märklin hat hier anstelle des
Skischleifers
eine flatterige Konstruktion angebracht, die den Strom lediglich von
zwei
Achsen abnimmt. Überflüssig zu erwähnen, wie die Lok
damit
läuft, offensichtlich scheint Märklin ein weiteres Mal den
Beweis antreten zu wollen, daß auf Zweileitergleichstrom-Anlagen
ein sicherer Fahrbetrieb nicht möglich ist. Das ist dem Hersteller
überzeugend gelungen, aber nur was seine Produkte angeht.
Zugkraft und Leistung
Die Zugleistung ist nicht annähernd so gewaltig,
wie ich erwartet
habe. Eine sechsprozentige Mössmer- Rampe (eigentlich von der
Steigung märklintypisch und auf Tausenden dieser
2m²-Heimanlagen zu finden) stellt die E 91.9, sollte sie einen
richtigen
Güterzug ziehen, vor eine unlösbare Aufgabe.
Das verwundert um so mehr, ist doch Märklin dafür bekannt,
Modelle zu bauen, die auch auf Spielanlagen die unmöglichsten
Steigungen
und Gleisfiguren meistern. Nun ist die Mössmer-Rampe eigentlich
der
Standard für derartige Heimanlagen! Auf meiner Anlage war diese
Rampe 2,5 Meter lang, der obere Teil lag
im Bogen. Schaltungstechnisch bedingt muß die Ellok mit dem
Triebgestell
hinten laufen. Mein schwerster Güterzug besteht aus 16 offenen
Güterwagen
der Verbandsbauarten, diese sind mit Kohleladung versehen. Diese
Ladungseinsätze bestehen aus Polystyrol, welches mit einer
dünnen Schicht Steinschotter beklebt ist.
Die Lok erreicht noch nicht einmal den Bogen, da hängt sie bereits
mit schleudernden Treibrädern fest. Ursache ist m.E. die
Konstruktion der Lokomotive. Neben der
Eigenmasse
des Triebgestells muß die Maschine auch noch das
nichtangetriebene
Triebwerk inklusive des schweren Gehäuses bewegen. Die beide
Laufwerke
verbindende Brücke stützt sich lasttechnisch nur zur
Hälfte
auf dem Triebgestell ab.
Leider ist auch nur sehr wenig Platz im angetriebenen Kopfteil, so
daß zusätzlicher Ballast nicht in nennenswerten Umfange
eingebaut
werden kann. Versuche mit Zusatzballast über dem Drehzapfen der
Brücke
versprechen Besserung. Optimal wäre sicher der Austausch des
Laufgestells
und der Ersatz durch ein Triebgestell.
Wer sich das finanziell leisten kann, sei dahin gestellt...
Geliefert wird die Lok mit M*- Kurzkupplungsköpfen,
was eine leicht
erhöhte Pufferanbringung bedingt, aber eine Kulissenführung
hat
der Hersteller nicht spendiert.
Fazit
Ein eher mechanisch robustes Produkt mit, nach dem
Umbau,
zufriedenstellenden
Fahreigenschaften.
Die schwere Metallbauweise könnte das Modell für den
anstrengenden
Einsatz vor langen Güterzügen tauglich machen.
Leider hat die Lok aber wesentliche optischen Fehler, die vermeidbar
waren und für den vorbildorientierten Modellbahner kein
Äquivalent
für eingesparte Entwicklungs- und damit Verkaufskosten darstellen.
Das besonders deshalb, weil die falschen Fenster sofort ins Auge
fallen.
Für den ursprünglichen Verkaufspreis, 500.- bis 600.- DM,
ist das Modell weit überteuert, glücklicherweise werden
zahlreiche
Exemplare (Mit der Ankündigung "Selten!!!") über eBay
angeboten.
Knapp über ein Drittel des ehemaligen Neupreises ist dabei
realistisch
und, wie ich finde, angemessen.
Verbesserungen an der E 91 finden Sie hier. |