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Modellkritik zur E 91.9 von Märklin


Die E 91102 im Anlieferungszustand in Schlesien


E 91.9

Das Gleichstrommodell mit der Artikelnummer 3828 und wurde von Märklin in dieser Ausführung für die MHI Anfang der Neunziger produziert. Aus der Ferne macht das Modell einen guten Eindruck und verspricht durch die Metallbauweise vorbildgerechte Zugleistungen.



Das Modell


Äußeres Aussehen und Lokaufbau

Auf den ersten Blick macht das Modell einen soliden Eindruck, vorbildgetreu schwarzes Fahrwerk, kombiniert mit einem für Schlesien ungewöhnlichem Hellgrau. RAL 7031 wurde nach den letzten Recherchen eigentlich nur im mitteldeutschen Netz verwendet. 
Für das Modell wurde die DB- Rekoausführung nur halbherzig bis minimal überarbeitet, was m.E. zur Firmentradition gehört. Das Gehäuse entspricht der DB- Version, was besonders deutlich bei den Fenstern im Gehäusemittelteil wird. Diese sind beim Modell in Gummi eingefaßt, während das Vorbild Fallfenster besaß. 
Das ist umso ärgerlicher, da das Modell doppelt so viel wie die Roco E 91 kostete. 
Eine Beseitigung des Mangels erfordert eine Nachbearbeitung der Fensteröffnungen, und z.B. neue Außenrahmen aus Messingätzteilen und eine Neulackierung. 

Während die Gesamtlänge der Lok stimmt, ist der Achsstand falsch. Deutlich wird dies beim direktem Vergleich mit der Roco E 91. Beide Modelle haben identische Achsstände die außerdem den Maßen der E 60 entsprechen. Für das Vorbild der Rocolok ist das auch zutreffend, da bei den E 52, E 60 und E 91 ein Vielzahl baugleicher Teile verwendet wurde.

Die 1929 ausgelieferte E 91.9 dagegen hat einen vergrößerten Achsstand, der im Modell gut 2,2 mm ausmachen würde. Interessant ist weiterhin, daß die Blindwellenbauart der Lokomotive z.B. der der E 91 02 und E 91 05 entspricht und laut Vorbildfotos nur bei den bayerischen SSW-Maschinen verwendet wurde.
Achsstand der E 91.0 und dazu passende Blindwellenbauart? Hatten die Entwickler bei Märklin ursprünglich vor, eine Maschine wie die Röwa-Lok zu entwickeln und haben auf Bauartunterschiede geachtet? Haben die Kaufleute das Projekt gekippt mit der Begründung, die Kundschaft würde die Unterschiede nicht sehen, man müsse dann die E 91.9 produzieren? Hier ließe sich viel spekulieren...



Fahrwerk und Fahrverhalten

Der Antrieb erfolgt, ebenfalls typisch für Märklin, nur auf ein Triebgestell, was angesichts der Metallbauweise in der Ebene keine gravierenden Auswirkungen auf die Zugkraft hat. Ein Blick "unter die Haube" der Originallok birgt keine Überraschung, den antiquierte Dreipoler mit seinem ruppigen Fahrverhalten findet man. Märklin hat es immer noch nicht geschafft, sich von dieser Altlast zu befreien und einen "richtigen" Motor mit Schwungmasse einzubauen.
Diese Aufgabe blieb SB-Modellbau, die bei meiner Lok einen Glockenankermotor implantierten. Zwar gehört der alte c82- Decoder zur Ausstattung, Märklins einziger Beitrag zu DDC- Decodern, aber trotzdem ist mit der eingestellten Anfahr- und Bremsverzögerung das Fahrverhalten befriedigend und nicht vergleichbar mit älteren Hamomodellen. Einzig das Überwinden des Losbrechmoments durch schlechte Decodereinstellung ist deutlich wahrnehmbar, aber durch Verändern der Anfahrspannung zu beseitigen. Ein Ersatz des Decoders scheint mir langfristig trotzdem empfehlenswert.
Sonst läuft die Lok auch auf schwierigen Gleisfiguren entgleisungssicher, die Stromabnahme muß allerdings verbessert werden, diese ist im Lieferzustand praktisch nicht vorhanden. Märklin hat hier anstelle des Skischleifers eine flatterige Konstruktion angebracht, die den Strom lediglich von zwei Achsen abnimmt. Überflüssig zu erwähnen, wie die Lok damit läuft, offensichtlich scheint Märklin ein weiteres Mal den Beweis antreten zu wollen, daß auf Zweileitergleichstrom-Anlagen ein sicherer Fahrbetrieb nicht möglich ist. Das ist dem Hersteller überzeugend gelungen, aber nur was seine Produkte angeht.

Zugkraft und Leistung
Die Zugleistung ist nicht annähernd so gewaltig, wie ich erwartet habe. Eine sechsprozentige Mössmer- Rampe (eigentlich von der Steigung märklintypisch und auf Tausenden dieser 2m²-Heimanlagen zu finden) stellt die E 91.9, sollte sie einen richtigen Güterzug ziehen, vor eine unlösbare Aufgabe.
Das verwundert um so mehr, ist doch Märklin dafür bekannt, Modelle zu bauen, die auch auf Spielanlagen die unmöglichsten Steigungen und Gleisfiguren meistern. Nun ist die Mössmer-Rampe eigentlich der Standard für derartige Heimanlagen! Auf meiner Anlage war diese Rampe 2,5 Meter lang, der obere Teil lag im Bogen. Schaltungstechnisch bedingt muß die Ellok mit dem Triebgestell hinten laufen. Mein schwerster Güterzug besteht aus 16 offenen Güterwagen der Verbandsbauarten, diese sind mit Kohleladung versehen. Diese Ladungseinsätze bestehen aus Polystyrol, welches mit einer dünnen Schicht Steinschotter beklebt ist.
Die Lok erreicht noch nicht einmal den Bogen, da hängt sie bereits mit schleudernden Treibrädern fest. Ursache ist m.E. die Konstruktion der Lokomotive. Neben der Eigenmasse des Triebgestells muß die Maschine auch noch das nichtangetriebene Triebwerk inklusive des schweren Gehäuses bewegen. Die beide Laufwerke verbindende Brücke stützt sich lasttechnisch nur zur Hälfte auf dem Triebgestell ab. 
Leider ist auch nur sehr wenig Platz im angetriebenen Kopfteil, so daß zusätzlicher Ballast nicht in nennenswerten Umfange eingebaut werden kann. Versuche mit Zusatzballast über dem Drehzapfen der Brücke versprechen Besserung. Optimal wäre sicher der Austausch des Laufgestells und der Ersatz durch ein Triebgestell.
Wer sich das finanziell leisten kann, sei dahin gestellt...

Geliefert wird die Lok mit M*- Kurzkupplungsköpfen, was eine leicht erhöhte Pufferanbringung bedingt, aber eine Kulissenführung hat der Hersteller nicht spendiert. 

Fazit

Ein eher mechanisch robustes Produkt mit, nach dem Umbau, zufriedenstellenden Fahreigenschaften. Die schwere Metallbauweise könnte das Modell für den anstrengenden Einsatz vor langen Güterzügen tauglich machen. 
Leider hat die Lok aber wesentliche optischen Fehler, die vermeidbar waren und für den vorbildorientierten Modellbahner kein Äquivalent für eingesparte Entwicklungs- und damit Verkaufskosten darstellen. Das besonders deshalb, weil die falschen Fenster sofort ins Auge fallen. 
Für den ursprünglichen Verkaufspreis, 500.- bis 600.- DM, ist das Modell weit überteuert, glücklicherweise werden zahlreiche Exemplare (Mit der Ankündigung "Selten!!!") über eBay angeboten. Knapp über ein Drittel des ehemaligen Neupreises ist dabei realistisch und, wie ich finde, angemessen.

Verbesserungen an der E 91 finden Sie hier.





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