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Modellkritik
Handmuster der EP  238
von Modellbahn Mario Menge

Vorbemerkungen und allgemeine Anmerkungen
Für mich persönlich gehören die schweren elektrischen Personenzuglokomotiven 2'D1' zu den wichtigsten Elloks für Schlesien. Die E 50.3 von Westmodel ist zwar auch ein schönes Modell, aber technisch eine echte Reichsbahnmaschine. Als ich nun statt der Umbaulok nach 1928 lieber die Ursprungsausführung haben wollte und deshalb die Trennung von der E 50 45 beschloß, erfuhr ich von der Entwicklung der E 50.3 bei MMM.
Bei diesem Kleinserienmodell sollten die Fehler und Mängel vermieden werden, die die Westmodel-Maschine hat. An der Entstehung der Mengeschen Lok war ich streckenweise beteiligt, sicher mehr mit absurden Forderungen als mit nützlichen Ratschlägen. Das ganze dauerte bald 18 Monate, das "Gehäuse" war schon auf der 06er Modellbahnausstellung im FEZ zu sehen und Ende November war dann das erste Modell der EP 238 weitgehend fertig.
Inzwischen (seit Juni 08) existiert die Seite von MMM nicht mehr und es sieht so aus, als ob das Handmuster das letzte Modell von M. Menge sein wird und es keine seire gibt.

Grundsätzliche Technik und Ausführung
Gefertigt wird das Modell aus geätztem Messingblech der Stärke 0,3 mm, damit soll eine optimale Detaillierung sichergestellt werden. Das gelingt auch soweit, ich persönlich finde 0,3er Blech sehr dünn und damit das Modell doch recht empfindlich. Wer also noch viel an dem Modell bauen will oder muß, wird durch die zierliche Bauweise behindert. Das zeigte sich vor allem bei den ersten Fahrversuchen, als das Fahrwerk, für das noch keine praktischen Erfahrungen vorlagen, anlagentauglich reguliert werden mußte. Da sind mir die massiven Bleche der Westmodel-Loks doch deutlich lieber und robuster.
Das Getriebe lagert in einem Messing-Profil, ein wesentlicher Punkt für ein potentiell anlagentaugliches Modell. Die Radsätze sind auf etwas ähnliches wie RP25 abgedreht, Kupplungen, Lampen und Inneneinrichtung fehlen noch.


Die rechte Seite der EP 238

Äußeres Aussehen
Auch noch auf den dritten Blick wirkt das Handmuster stimmig. Die Maße wurden korrekt umgesetzt, lediglich die Pufferanbringung ist etwas hoch. Zweifellos erkennt man auch in dem unbeschrifteten Modelle eine E 50.3 der BEW. Die Farbgebung ist hier preußisch mit rotbraunem Rahmen und Pufferbohlen, ich bevorzuge die andere überlieferte Variante, schwarze Pufferbohlen, Luftkessel und Aufstiegsleitern.
Die Kästen unterhalb des Umlaufes sind dreidimensional, ebenso die Pufferbohlen, die mit einem Messing-Vierkant von hinten verstärkt wurden.
Alles in allem macht die Lok einen guten ersten Eindruck.


Die linke Seite der Lok.

Das Fahrwerk
Die Antriebe und Fahrwerke sind (wie an anderer Stelle sicher schon mehrfach erwähnt) bei Kleinserienmodellen immer eine kritische Angelegenheit. Das vorhandene Material, die nutzbaren Maschinen, die Fähigkeit des Produzenten und die naturgemäß größeren Toleranzen bei der Fertigung bergen ein gewissen Gefahrenpotential. Dazu kommt noch, daß der Hersteller mit den Modellen Geld verdienen muß und eben nicht zwei Wochen an einem Fahrwerk fummeln kann, bis es läuft. Entschärft wird das durch die Tatsache, daß die meisten Messingmodelle dieser Preisklasse in Vitrinen versteckt werden und mehr als ein Stückchen Testgleis niemals unter die Radsreifen bekommen. Bei den meisten Loks fällt es deshalb niemals auf, daß sie zucken, rattern und eiern und mit drei Wagen überfordert sind.
Menges EP 238 ist in diesem Punkt ähnlich wie die Metropolitan-Loks ausgestattet. Als "Getriebekasten" dient ein Messing-U-Profil, der Antrieb erfolgt durch einen 1331 von Faulhaber mit zwei Schnecken, über ein Zwischenzahnrad auf die Blindwellen und von dort auf die benachbarten Kuppelachsen. Mangels Platz gibt es keine Schwungmasse in den Abmessungen, wie ich es mir vorstelle.
Der sichtbare Fahrzeugrahmen ist ebenfalls aus 0,3er Blech und bei dem Handmuster durch die Würgerei und Bauerei schon etwas verbogen. Bei den Laufgestellen gibt es eine Neuerung, die sich noch bewähren muß. Die Laufgestelle werden durch eine Art Federstempel auf das Gleis gedrückt.
Unterhalb des Getriebes gibt es noch ein Bremsgestänge, dazwischen liegt ein Stückchen Leiterplatte mit den vier Radschleifern. Diese bestehen aus Messingdraht, was ich bei Kurzschlüssen eher kritisch sehe, Gitarrensaiten halte ich für geeigneter.
Die Treibräder sind von Fleischmann und abgedreht, d.h. nur die Spurkränze wurden abgedreht umd die Laufflächenveredelung nicht zu beschädigen. Damit streichen die Radschleifer auf der Rückseite der Räder auf Zinkdruckguß, zusammen mit der noch rauen Oberfläche der Räder war die Stromabnahme am Anfang erbärmlich.
Die Bogenläufigkeit des eigentlichen Fahrwerkes ist für meine Zwecke ausreichend, 750er Radien werden anstandslos durchfahren, ohne Laufgestelle schafft die Lok auch 450er Radien.


Das Fahrwerk von unten.

Das Gestänge ist hier lediglich Zierde und überträgt keine Antriebskraft. Kuppel- und Treibstangen sind aus zweimal 0,3er Blech gelötet und, was mir sehr gut gefällt und auch von mir gewünscht wurde, treiben die Schrägstangen eine angedeutete Motorwelle an. Darunter liegt der 1331, für eine richtige Schwungmasse war, wie schon gesagt, kein Platz, daher gibt es nur eine "Unterlegscheibe". Der Motor ist übrigens für 18 V und die daraus resultierende Endgeschwindigkeit der Lok recht angenehm.


Detailaufnahme des Motors im doppelten Sinne


Diese mitlaufende "Motorwelle" mit der sich drehenden Kurbel motiviert natürlich zu Bastelleien, zur Zeit versuche ich noch eine angemessene Darstellung des Fahrmotors zu erreichen.


Der Aufbau
Nietreihen sind an den Stellen, die geeignete Vorbildfotos vorgeben. Leider sind eine Reihe von Niete beim Ätzen nicht richtig rausgekommen, so bilden die Niete des seitlichen Nietenbandes eine Schlangenlinie. Aufbau und Rahmen zeigen zahllose Details, auch wurden die Leitungen und Aggregate richtig dargestellt. Die Griffstangenhalter sind aus dem N-Programm von Weinert, die Griffstangen ebenfalls nur aus Messingdraht, mit 0,2 oder 0,3 mm sehr zierlich und empfindlich.
So schön der Aufbau insgesamt ist, misfallen mir doch die zahllosen unnötigen Zinnspuren an den Stellen, an denen das Gehäuse zusammengestzt wurde. Sicher ist es nur das Handmodell, aber das kann der Herr Menge besser!


Das Dach
Ist von der Detalierung und Ausführung ein Glanzlicht der Lokomotive. Neben den schön plastisch dargestellen Stößen der Dachbeblechung fallen die Stromabnehmer ins Auge.
Die zur Zeit besten Großserienprodukte liefert Piko, die zur E 50.3 aber nicht 100%ig passen. Deshalb wurden diese umgebaut. Neben einem neuen Schleifstück, daß sich beim Schrägstellen nicht an kreuzenden Kettenwerken aufhängen kann, wurd hier auch der Fuß umgebaut. Nun hat der SBS 9 einen richtigen, sehr stabilen Rahmen und ist auf gegossenen Glockenisolatoren aufgeklebt. Die Stromzuführung erfolgt durch einen Draht, der durch einen Isolator im Dach geführt wird. Eine elgante und betriebssichere Lösung.


Fahrverhalten und Zugleistung
Das Fahrverhalten war zum Anfang nicht berauschend, aber das kannte ich schon von den anderen beiden Modellen. Die Dachstromabnehmer wurden wie bei allen meinen Elloks mit den Radschleifern elektrisch verbunden und damit war die Stromabnahme problemlos
Diesmal stand auch weit mehr Zeit zur Verfügung und ich konnte die Lok etwa 4 Stunden in jede Richtung einfahren. Danach lief sie ruhig und gleichmäßig, nur nach Rechtsbögen knarrte sie mitunter etwas. Die Ursache konnte ich bislang nicht finden da das Problem inzwischen weniger oft auftritt.
Die Räder sind nach der Einlaufzeit auch glatt geworden, isgesamt ist der Gewinn an Fahrkultur deutlich feststellbar.
Die EW1 von Pilz Elite/Tillig wie auch die 10°-Weiche von Weller wird in beide Richtungen problemlos befahren, die DKW1 mit ihren 486er Radien ist für die Lok definitiv zu eng, die Laufgestelle entgleisen. Große Radien und saubere Gleislage stellt kein Problem dar, ungenau verlegte Gleise aber führen vor allem in Bögen zu Engleisungen. Etwas, was man mit RP25-Radsätzen bei langen, ungefederten Fahrwerken allgemein kennt.
Mit einem MX63 von Zimo war das Fahrverhalten deutlich schlechter als analog. Woran das nun genau lag, konnte ich nicht feststellen, da ich nicht beabsichtigte, das Modell wegen des schlecht gelöteten Aufbaues zu behalten

Die Zugleistung allerdings ließ sich auch analog bestimmen. Und diese war im  Lieferzustand, nun ja, bescheiden. Zwar hatte der Hersteller zwei Messingzylinder auf den Rahmen geklebt, mir aber im übrigen beschieden, daß es sowieso nicht möglich sei, mir eine Lok hinzustellen, die genügend Blei in sich trägt.
Mit dieser Ausstattung waren zwei Schnellzugwagen auf 2,5% möglich, wurde zusätzlich das Dach mit drei Lagen 1mm starken Bleies ausgekleidet, wurden immerhin vier Vierachser bewältigt.
Dann habe ich die Führerstände ebenfalls mit drei Lagen sowie den Heizkesselvorbau noch zu 50% gefüllt. So schafft sie mit äußerster Anstrengung 11 Schnellzugwagen über die Steigungen und durch den 1000er Radius. Aber ich habe noch Platz für die gleiche Menge Blei, ich erwarte dann mindesten 20 Vierachser befördern zu können.
Durch das zusätzliche Gewicht klingt das Modell im Fahren auch viel "satter" und nimmt Unebenheiten sicher als ohne Gewicht.


Fazit.
Ein Modell mit Licht- und Schattenseiten, die mir sicher besonders auffielen, weil ich die Lok bald eine Woche gründlich untersucht habe.
Nicht gefällt mir das dünne Blech aus Sicht des Umbauers und Betriebsbahners, weil die empfindlichen Kanten sehr schnell verbogen werden. Zu bemängeln war auch die teilweise unsaubere Lötarbeit.
Erfreulich sind die Dachausführung, die Vielzahl Details und ein belastbares, recht robustes Fahrwerk mit einer betriebstauglichen Lösung.
Absolute Höhepunkte sind das Dach und die Motorkurbel im Maschinenraum, davon bitte mehr!

Anfangs hatte ich auf ein Modell aus der Serie gehofft. Da  MMM nicht mehr erreichbar ist, habe ich nur die Wahl zwischen einer neuen E 50.3 von Westmodel oder der Maschine von Menge. Deshalb habe ich das Modell begonnen zu überarbeiten. Dazu gibt es später eine eigene Seite, hier seien nur die Ponkte genannt, die mich störten und ich ich in Angriff nehme:

Fahrwerk: Schwungmasse, Stromabnahme, Farbgebung
Aufbau: Verputzen der Lötstellen, Verstärkung des labberigen Lokkastens, neue Lackierung
Dach: Kratzer und Dellen verspachteln.







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