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Modellkritik
Handmuster der E 21 01
von Modellbahn Mario Menge

E 21 01
So selten man die Gelegenheit hat, bei der Entstehung eines Kleinserienmodells ein paar Eindrücke zu gewinnen, so schwer ist es auch, über ein halbfertiges Fahrzeug ein Urteil zu bilden. Mit dem Fortschritt an der Lokomotive werde ich aber auch meine Ausführungen ergänzen.

Die E 21 interessiert als Modell bekanntermaßen nur eine Minderheit unter den Freunden elektrischer Lokomotiven. Eingesetzt war sie von 1926 bis 1945 in Schlesien, nach der Rückgabe der Reparations-Fahrzeuge durch die Sowjetunion an die DR wurde sie noch einmal aufgearbeit, war aber letztlich ebenso störanfällig wie die verbliebenen E 17 und wurde recht schnell durch neuangelieferte E 11 ersetzt. Aus diesen Gründen ist ein Industriemodell in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, bis jetzt konnte der interessierte Modellbahnfreund nur hoffen, eine der alten E 21 von Westmodel bei eBay zu ergattern oder auf eine Neuauflage warten. Da die Fertigungsqualität bei den Kleinserienherstellern recht unterschiedlich ist und auch eine Reihe unausgereifter Antriebskonstruktionen auf dem Markt sind, ist die Skepsis der potentiellen Käufer oft groß.

Nun hat sich die kleine Modellbaufirma MMM zum Ziel gesetzt, ein zeitgemäßes Kleinserienmodell auf die Räder zu stellen. Auf der Homepage ist das Modell der E 21 01 als „lieferbar" aufgeführt, zur Zeit ist aber erst das hier beschriebene Handmuster im Entstehen. Zu bestimmten Dingen kann ich deshalb noch kein abschließendes Urteil abgeben, bei aufgetretenen Fehlern oder Mängeln verspricht der Hersteller diese in der Serie abzustellen.
Nachfolgend nun der erste Teil des Testberichtes von November 2005, anschließend folgt Teil 2 vom Ende Februar 2006.


Die rechte Seite der E 21 01 mit Dampflokrädern zum Testen.
Zustand im Oktober 2005
Äußeres Aussehen
Auf den ersten Blick wirkt das Handmuster stimmig, ein Vergleich mit den vorhandenen Zeichnungen bringt zu Tage, daß die Hauptabmessungen eingehalten werden. Das Fahrzeug wirkt etwas hochbeinig, aber bis auf ein minimale Schrägstellung des Gehäuses auf dem Fahrwerk stimmt auch diese Anordnung. Beim Vergleich mit Vorbildfotos fallen die wegen der zu dicken Fensterrahmen etwas zu kleinen Seitenfenster auf, ebenso ist das umlaufende Fensterband zu klobig. Die unterarmlangen Türklinken sind dagegen nur eine Frage des korrekten Abscheidens vor der Lackierung.
Die Dachaufbauten sind bei Elloks immer so ein Problem, da es kaum ordentliche Fotografien gibt. Hier gibt es glücklicherweise vom Dach ein Werksfoto, so konnten die Aufbauten korrekt wiedergegeben werden, die Dachstromabnehmer sind von Piko und gehören zu den feineren Exemplaren.
Die auf den Bildern sichtbaren roten Dampflokräder gehören nur zum Probemodell, die richtigen Räder mit dem Federtopfantrieb werden wegen der von den Modellrädern der E 17/ E 18/ E 19 abweichenden Größe in eigener Fertigung hergestellt.

Die Vorderseite der E 21.
Glücklicherweise kann der Zaun kaum etwas verbergen.
Fahrverhalten

Das ist für den Betriebsbahner, dazu zähle ich mich, ein entscheidender Punkt und meine Bedenken erwähnte ich eingangs.
Installiert werden mußte für die Testfahrten ein Decoder, hier war es ein DCX74 von Tran. Bis auf die Adresse habe ich keine großen Einstellungen vorgenommen um ein möglichst unverfälschtes Bild vom Antrieb zu bekommen.
Die ersten Minuten bewegt sich das Modell etwas rau und macht einen heiseren Eindruck. Nach einigen Runden, bei denen es noch durch das ungefederte Drehgestell zu Entgleisungen kam, verschwanden aber die für ein uneingefahrenes Modell typischen Geräusche und ein sanftes und ausgeglichenes Fahrverhalten stellt sich ein. Die Höchstgeschwindigkeit im Analogbetrieb ist (laut Aussage des Herstellers gewollt) leicht überhöht (140 km/h, um im Digitalbetrieb Decoderverluste auszugleichen), dabei läuft das Fahrzeug gleichmäßig und ohne Schlingern über die Anlage, auch das Langsamfahrverhalten ist überraschend gut für ein Handmodell. Sollte ich einen Vergleich aufstellen, würde ich das Fahrverhalten mit dem der Roco E 17 vergleichen, wobei die E 21 01 leiser läuft als meine E 17 113. Bei langsamer Fahrt hört man neben dem Klappern der Räder auf den Weichen nur das dezentes Schleifgeräusch der vier Radstromabnehmer. Insgesamt ein positives Ergebnis bringen die ersten Fahrversuche, es bleibt abzuwarten, ob sich die Qualität in der Serie dann noch steigert.
Zwei Videos vom Lauf der E 21 können Sie sich runterladen, einmal in Langsamfahrt (3,4 MB MPG, VCD-Format), einmal zügiger mit einem Schnellzug (6 MB AVI. Ein DivX-Player sollte dafür vorhanden sein.)
Was mir nicht so gefiel, waren die verwendeten Dachstromabnehmer von Piko. Wie auch bei der parallel getesteten E 49 02 (ebenfalls das, allerdings fertige, Handmuster) aus dem gleichen Hause war die Fahrsicherheit mit angelegten Stromabnehmern nicht so überzeugend. Während die älteren Sommerfeldt-Stromabnehmer direkt neben dem eigentlichen Schleifstück den überschräg gestalteten Notlauf hatten, ist die gesamte Palette bei den Piko-Stromabnehmern sehr flach (und sicher vorbildgetreu) gestaltet. Damit gibt es bei einer vollelastischen Kettenwerksfahrleitung im Modell einige Schwierigkeiten mit einkreuzenden Kettenwerken, die über den Notlauf aufgenommen werden müssen. Bei den Pikoteilen schlägt der neue Fahrdraht mitunter seitlich gegen den Stromabnehmer und bringt die Lok zum Kippen.

Die Seitenwand mit der unvollständigen Beschriftung.
Gut gefallen die sauber geätzten Lüfter.
Zugkraft und Leistung

Auch hier kann man noch nicht von den endgültigen Ergebnissen sprechen. Bis auf ein paar winzige Bleigewichte ist die E 21 noch ein hohler Vogel. Bei Steigungen bis 3% und 900er Radien befördert sie mit dieser Ausstattung acht Schnellzugwagen, das ist aber schon die Grenze. Auch hier verspricht Mario Menge für die Serienmodelle mehr Bleiballast.
Das dürfte dann hoffentlich genügen, um auch 10 bis 15 Wagen über eine 6%ige Rampe zu ziehen. Wir werden sehen und ich berichten.

Ein Blick auf den hinteren Führerstand.
Hier werden besonders die zu breiten Rahmen um die Fenster und das Fensterband deutlich.

Zweiter Test mit dem fertigen Handmuster

Nach drei Monaten ergab sich eine zweite Gelegenheit, die E 21 01 auf meiner Anlage zu testen. Schon auf den ersten Blick sieht sie wie eine fertige Lokomotive aus und man kann den Baufortschritt sehen. Das Fahrwerk ist nun vollständig zugerüstet und es sind die Räder mit Federtopfantrieb eingebaut.
Weiter wurden nun die Spurkränze abgedreht, die Treibachsen zeigen Räder mit den Abmessungen der  RP 25/110, die Treibräder mit den Radkörpern Radreifen aus eigener Fertigung haben noch feinere Spurkränze, sie bewegen sich bei etwa 0,4 mm Höhe.
Verschiedene Kleinigkeiten, die bei der Erstvorstellung bemängelt wurden und es zuließen, sind korrigiert, wie die Größe der Türfenster und die Länge der Türklinken.
Insgesamt ist es ein ansehnliches Modelle geworden und muß den Vergleich mit anderen Kleinserienprodukten nicht scheuen.


Fahrverhalten und Leistung
Beim Vortest hatte die E 21 ihre Laufruhe und Leistung schon bewiesen, damals mußte sie noch durch einen im Bogen liegenden Bahnhof, der mit altem Pilz Standard-Gleis ausgerüstet war, die Weichen mit den Gußherzstücken und auch die engen Radien von 500 bis 700 mm waren kein Problem.
Inzwischen war meine Anlage frei von altem Gleis, ausschließlich Pilz Elite (Sh=2,1 mm) mit Radien über 800 mm ist verbaut. Mit diesem Gleis war ich für die E 21 gut gerüstet.
Insgesamt war die Laufruhe schlechter als beim ersten Test und etwas enttäuschend. Erklärung dafür liefern die  Treibräder. Weil die Serienräder noch nicht lieferbar waren, erhielt die Lok Räder aus den ersten Versuchen, bei denen die Radreifen ohne die richtigen Werkzeuge angefertigt wurden, sie sollten nur auf Fotos gut aussehen. Speziell die Laufflächen sind sehr rillig und uneben, zusammen mit dem Höhenschlag eines Treibrades waren die Laufgeräusche keine Überraschung. Damit zeigt sich wieder einmal, wie wichtig ordentliche Räder sind. "Einfach so abgedreht" bringt keine befriedigenden Ergebnisse, wie jeder Nutzer einer Drehbank bestätigen kann.
Dennoch lief die Lok erstaunlich entgleisungssicher, was die Beteiligten doch einigermaßen verblüffte. Durch einen schwenkbares Hauptrahmenendstück schaffte die E 21 auch Radien bis runter zu 600 mm.

Im Vortest zog sie auf der Anlage 8 Schnellzugwagen. Wegen der damals aufgetretenen Entgleisungen des Drehgestelles wurde die Konstruktion verändert, das Drehgestell wird jetzt durch eine Feder auf das Gleis gedrückt und raubt damit etwas Zugkraft. Zusätzliche Gewichte hat sie noch nicht, mit der Ausstattung kam die E 21 01 bei der Beförderung von 11 Schnellzugwagen (48 Achsen) im 1000er Radius auf einer 3%igen Rampe an ihre Grenze.






Fazit, Teil 1
Ein vielversprechendes Handmuster mit einigen Fehlern, aber sehr gutem Fahrverhalten. Die aufgeführten Mängel sind recht einfach zu beseitigen, das wichtigste Teil, der Antrieb entspricht meinen Erwartungen. Wenn das Modell dann in Serie erscheint und für knapp 1000 Euro angeboten wird, dürfte es sich problemlos in die Reihe gut gemachter Kleinserienmodelle einordnen. Gegenüber vielen anderen Produkten bringt es aber einen sehr ordentlichen Antrieb mit.

Teil 2
Nun war die Lok also auch optisch vollendet, unbefriedigend waren die Treibräder, mit denen die Lok ruppig lief.
Das war dann die letzte Möglichkeit für mich, dieses Handmuster zu testen. Ich hoffe, und bin da recht zuversichtlich, daß ich den Testbericht bald mit einem Serienmodell der E 21 01 abschließen kann.






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